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KANADA: EIN BÄREN-DIENST
 

Was haben weibliche Braunbären und Touristen gemeinsam? Sie freuen sich, den jeweils anderen zu sehen.


 

Dieses erstaunliche Ergebnis lieferten die Untersuchungen von zwei Biologen. Owen Nevin, Wissenschaftler an der Universität von Central Lancashire (Großbritannien), und Barrie Gilbert von der Utah State University in Logan (USA) beobachteten in Britisch Kolumbien (Kanada) das Verhalten einer Gruppe Braunbären (Ursus arctos).

Die Tiere zogen täglich zum Fressen an einen abgelegenen und besonders lachsreichen Fluss. Der tägliche Marsch zum Futterplatz lockte mit der gleichen Regelmäßigkeit Busse voller Touristen an, die den Bären zusehen wollten.

Nun spielten sich folgende Fress-Gewohnheiten ein: Frühmorgens kamen nur die männlichen Bären an den Futterplatz, wenn noch keine Touristen da waren. Sobald die ersten Busse anrückten zogen sie sich zurück. Die Weibchen und ihre Jungen hingegen ließen sich von den Besuchern nicht stören. Sie fraßen ruhig weiter, auch wenn die Touristen ganz nah waren. Im Gegenteil, sie kamen oft auch erst an den Fluss, wenn die Schaulustigen bereits vor Ort waren. Offenbar waren die Fremden und ihre Geräusche für die Weibchen ein Signal, dass sich nun keine gefährlichen Männchen an den Futterstellen aufhielten.

Normalerweise stören Touristen viele Tierarten beim Fressen oder bei der Aufzucht von Jungen. Die Folgen können sein, dass die Tiere abmagern oder keine Jungen mehr bekommen. Bei Braunbären aber haben Urlauber gerade eine gegenteilige Wirkung: Sie erhöhen die Überlebensrate der Jungtiere und helfen damit, den Bären-Bestand zu vergrößern. Ein kontrollierter Tourismus könnte in Naturschutz-Gebieten sogar einen Schlüsselfaktor sein, der die Bären vor dem Aussterben schützt.

Nevin und Gilbert veröffentlichten ihren Bericht im Fachmagazin „Biological Conservation“, bereits vorab berichtete das britische Wissenschaftsmagazin „New Scientist“ (Ausgabe vom 21. August 2004) über die Untersuchungen.

-hl-

Erschienen auf www.jagen-weltweit.de
im August 2004