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WIEN: DIE SPRACHE DER ELEFANTEN
 

Im Wiener Zoo Schönbrunn erforscht eine Zoologin in einem weltweit einzigartigen Projekt die Sprache der Elefanten.


 

Angela Stöger-Horwath belauscht seit drei Jahren die sieben afrikanischen Steppen-Elefanten im Wiener Zoo Schönbrunn. Eine wichtige Rolle nahmen bei ihrer Arbeit die beiden Elefantenjungen Abu und Mongu ein. Sie kamen vor etwa drei Jahren auf die Welt, und die Wissenschaftlerin begleitet von Anfang an auf ihre sprachlichen Gehversuche.

Und bei den Elefanten-Jungen verhält es sich mit dem Sprechen lernen wie bei den Menschenkindern: „Der Wortschatz von jungen Elefanten ist sehr bescheiden“, erklärt Stöger-Horwath. Mühsam müssen sie dann ihre Lautsprache erlernen. Dazu gehören Trompeten-Stöße, Grollen, Brüllen, Kreischen und Grunzen. Insgesamt 2.500 Elefanten-Rufe hat Stöger-Horwath aufgezeichnet – und verstehen gelernt.


Im Sprach-Labor

Rund 30 Meter vom Elefanten-Gehege entfernt, erscheinen die Rufe der Elefanten als Sonogramme auf einem Computer. Nun beginnt die zeitintensivste Phase für Stöger-Horwath. Mit einem Schallanalyse-Programm versucht sie nun, die Laute von Fremdgeräuschen zu isolieren und dann zu identifizieren. Vollständig auflösen lässt sich die Bedeutung eines Lautes aber nur in Verbindung mit dem beobachteten Verhalten.

Lautes Trompeten zum Beispiel bedeutet Freude, wenn das Tier dabei mit den Ohren flattert, denn so begrüßt es einen Artgenossen. Zusammen mit abgespreizten Lauschern aber bedeutet es Angst vor einem Angriff. Erhält ein Elefant nicht die Aufmerksamkeit, die er gerne hätte, nimmt er die Beine zu Hilfe: Er stampft und klopft auf den Boden – und verschafft sich so Gehör. Die tiefen Töne im Infraschall-Bereich dienen besonders dazu, Wohlbefinden zu signalisieren, auf Wasserquellen hinzuweisen oder vor Gefahren zu warnen. Über zwei Drittel aller Laute liegen in diesem Bereich, also unter 20 Hertz – und können vom Mensch nicht gehört werden.



Elefanten-Linguistik

Begründerin der Elefanten-Linguistik ist die amerikanische Biologin Kay Payne. Sie kam den tiefen Tönen im Infraschall-Bereich auf die Spur. Seitdem lüften Wissenschaftler mehr und mehr Geheimnisse um die Kommunikation der Elefanten.

So fand Michael Garstang im namibianischen Nationalpark heraus, dass 96 Prozent aller Infraschall-Signale in den kühlen Morgen- und Abendstunden gesendet werden:

Untersuchungen haben auch ergeben, dass Elefanten je nach ihrer Herkunft unterschiedliche Dialekt sprechen. Auf die Rufe bekannter Artgenossen reagieren Elefanten wesentlich interessierter als auf die Rufe Fremder. Das sprichwörtlich gute Gedächtnis von Elefanten trifft auch auf Stimmen zu: So erkennen sie auch aufgezeichnete Stimmen längst toter Elefantenfreunde wieder. Und wie beim Homo sapiens sollen die Weibchen gesprächiger sein als die Männchen.



Sprach-Manipulation im Urwald

Wertvoll sind die Forschungsergebnisse für das tägliche Leben in freier Wildbahn. Dank der Sprachkenntnisse wollen Wissenschaftler nun die Dickhäuter sprachlich beeinflussen.

In Botswana zum Beispiel sorgen Elefanten alljährlich für einen Ernteausfall von rund eine Million Euro. Nichts konnte die hungrigen Tiere bislang davon abhalten, auf der Suche nach Futter auf den Feldern einzufallen. Jetzt sollen Lautsprecher Warnrufe ausrufen und die Dickhäuter auf andere Wege lenken.

-hl-

Erschienen auf www.jagen-weltweit.de
im Mai 2004