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ALLES EINE FRAGE DER GANGART
 

Jason Wood und sein Wissenschaftler-Team von der kalifornischen Stanford University nehmen von Elefanten seismische Fußabdrücke - und zählen so die Bestände.


 
 

Tatort: Etoscha-Nationalpark in Namibia. Eine Gruppe Forscher kauert gut getarnt auf einem Beobachtungsturm. Nur 90 Meter entfernt verläuft ein Pfad, der zum stark frequentierten Mushara-Wasserloch führt.
 
Jedes Mal, wenn ein Wildtier das Versteck passiert, registrieren das nicht nur die Forscher. Denn 15 Zentimeter tief im Boden verborgen, zeichnet ein Geophon - einfach ausgedrückt ein Schwingungsmesser - die Boden-Vibration auf.
 
Rund 60 solcher seismischer Fußabdrücke konnten die Forscher "erbeuten". Darunter befanden sich Spuren von Elefanten, Giraffen und Oryx-Antilopen - mal als Einzelgänger, mal im Pulk.
 
"In 82 Prozent der Fälle konnten wir richtig sagen, ob die Schritte von einem Elefanten stammten oder von einem anderen Tier", resümierte Jason Wood. Für das Team ein großer Erfolg, wie Wood betont: "Auch wenn man Elefanten vom Flugzeug aus zählt, liegt die Trefferquote lange nicht bei 100 Prozent." Dabei steckt in den Sensoren noch viel Entwicklungspotential. Wood prognostiziert noch wesentlich bessere Ergebnisse, wenn mit mehreren Geophonen gearbeitet wird und nicht nur mit einem.


Das Geophon

Wenn die Wildtiere auftreten, erzeugen sie ein Spektrum von niederfrequenten Schwingungen. Das Frequenz-Muster unterscheidet sich von Art zu Art. Genau hier setzt die Funktion des Geophons ein: Es registriert Erschütterungen im Boden, und das in einem sehr tiefen Frequenzbereich.
 
Laut Wood liefert das Gerät im Etoscha-Nationalpark klare Signale nur zwischen 4 und 100 Hertz. Doch das reicht aus, um die Wildart zu bestimmen, wie Wood betont: "Ein Elefant hat im Unterschied zu Giraffen oder Antilopen nur eine ausgeprägte Spitze in seinem Frequenz-Spektrum, die bei 20 Hertz liegt." 
 
Wird zusätzlich die Energie gemessen, die in dem seismischen Signal steckt, kann sogar ermittelt werden, wie viele Elefanten vorbeigezogen sind. Denn: Je größer die Herde, desto stärker die Boden-Erschütterungen und Mess-Signale.
 
Ursprünglich wurden die Geräte für militärische Zwecke entwickelt. Die US-Armee verwendete Geophone im Vietnam-Krieg, um gegnerische Truppen-Bewegungen auszuspionieren. Einsatz fanden sie auch im zivilen Bereich, etwa bei Begleitmessungen bei Ölbohrungen.


Die Widersacher des Geophons

Wood und sein Team kamen auf die Idee, die Geophone für die Wild-Zählung einzusetzen. Denn Biologen und Nationalpark-Manager haben das Problem, dass die Dickhäuter in den dichten Urwäldern im Zentrum des Kontinents nicht auszuspähen sind. Jason Wood: "Das Kronendach ist so dicht, da kann man die in der Savanne übliche Zählung vom Flugzeug aus vergessen."
 
Doch bei den Geophonen ist mit anderen Problemen zu rechnen: Vor wenigen Jahren liefen Test-Messungen in Sri Lanka. Um die Elefanten von den Feldern der Bauern fern zu halten, bauten Forscher ein Frühwarnsystem auf. Dazu gehörten auch seismische Sensoren im Boden.
 
Zunächst ging alles glatt. Die Bauern wurden durch das System aus dem Schlaf gerissen und scheuchten die Tiere von den Äckern. Doch irgendwann hatten die Elefanten wohl genug: Sie buddelten die Detektoren aus und hatten wieder freie Bahn...
-hl-

Erschienen im Herbst 2005 auf www.jww.de