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JOSEPH WOLF - EIN ENGLISCHER TIERMALER AUS DEM RHE
 

Im Museum für Naturkunde in Düsseldorf sind bis zum 30. Juni 2004 Werke des Malers zu sehen.


 
 

Kaum ein Zeitgenosse kannte Joseph Wolf (1820-1899), denn eigensinnig weigerte sich der Künstler, seine Werke über Galerien zu veräußern. So konnte nur ein ausgewähltes Publikum in der Royal Academy, in Prachtvillen und königlichen Palästen seine Werke bewundern, die heute zu den Meisterwerken der Tiermalerei gehören – und ihn zum bedeutendsten Tiermaler seiner Zeit werden ließen.

Denn Wolf schuf nicht nur naturgetreue Abbildungen der Tiere, er lässt sie leben: sie kämpfen, balzen und jagen. Und sie sind in ihre natürliche Umgebung eingebettet. Heute, im Medien-Zeitalter, ist es selbstverständlich, Tiere aus aller Herren Länder in Dokumentationen zu beobachten. Doch Mitte des 19. Jahrhunderts gehörte Wolf zu den ersten, vielleicht war er sogar der erste Tier-Illustrator, der Bewegung und Landschaftseindruck in der Tiermalerei einführte.

Folgende Geschichte gilt als eindrucksvolles Beispiel für Wolfs Tierkenntnis: 1858 kam der erste Gorilla nach England – allerdings als schon stark verwestes Alkohol-Präparat. Dennoch gelang es Wolf, nach diesem Vorbild eine lebensnahe Darstellung zu schaffen. Erst 29 Jahre später landete der erste lebende Gorilla im Londoner Zoo und bestätigte Wolfs Bild.


Joseph Wolf - Handwerker und Künstler

Grundlage seiner späteren Kunstfertigkeit war die dreijährige Ausbildung in Koblenz zum Steindrucker, die er 1836 mit 16 Jahren antrat. Als Sohn einer Eifeler Bauernfamilie hatte er diesen Berufswunsch gegen den Willen seines Vaters durchgesetzt. Danach zog Wolf nach Frankfurt, wo er die Tafeln zur „Systematischen Übersicht der Vögel Nord-Ost-Afrikas“ fertigte.

Doch entscheidend für seine künstlerische Entwicklung waren die anschließenden Darmstädter Jahre: Dort erhielt Wolf Fachunterricht im Zeichnen von Naturobjekten und pflegte engen Kontakt zu führenden Fachleuten. Wolf überzeugte und erhielt den Auftrag, Falkenbilder für das Werk „Traite de Fauconnerie“ von Hermann Schlegel zu arbeiten. Das Werk stellte den Hochgesang auf die damals verblassende Jagform der Falknerei dar. Bei den Tafeln für den Zyklus „Jagdstücke der hohen und niederen Jagd“ für den Darmstädter Verlag Ernst Kern wagte Wolf eine mehr und mehr natürliche Darstellung der Tiere.

Weitere Aufträge in Berlin und Leiden folgten, wo er seine Ausbildung abschloss. 1848 schließlich folgte er einem Ruf nach London, der wichtigsten Station in seinem Leben: Queen Victoria schuf das britische Empire, aus den Kolonialländern trafen laufend die Schätze der Expeditionen in London ein. Tiere, die die Überfahrten überlebten, landeten im 1826 neu gegründeten Zoo. Ein Paradies für Joseph Wolf.


Der Tiermaler

Die Londoner Jahre machten Joseph Wolf endgültig zum gefragten Illustrator und Maler. Seine Auftraggeber waren Großwildjäger, Forscher und Dichter.

So erreichte Wolfs Ruhm auch Charles Darwin. Er beauftragte Wolf 1872 mit den Abbildungen für sein Werk „The Expressions of the Emotions in Man and Animals“, das als erste Grundlage für die Lehre der Verhaltensforschung des Menschen und der Tiere gewertet wird.

Heute, lange nach seinem Tod, kann auch das breite Publikum die Werke von Joseph Wolf bestaunen:
Noch bis 30. Juni 2004 sind seine Illustrationen und Bilder zu besichtigen:
Museum für Naturkunde, Benrather Schlossallee 102, 40597 Düsseldorf.

Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag von 10:00 bis 18:00 Uhr, Montag geschlossen

Zu der Ausstellung ist ein Katalog erschienen:
“Joseph Wolf (1820-1899) Tiermaler - Animal Painter”, 361 Seiten, in deutsch und englisch. Autoren sind Dr. Karl Schulze-Hagen und Prof. Dr. Armin Geus. Der Preis beträgt 78 Euro.


Veröffentlicht im März 2004 auf http://www.deutschejagdzeitung.de/