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GERHARD LÖBENBERG
 

Noch bis zum 24. Oktober 2004 ist im Ostpreußischen Landesmuseum in Lüneburg die Ausstellung über den Jagdmaler Gerhard Löbenberg zu sehen.


 
 

Die Jagd-Zeitschrift WILD UND HUND feierte gerade ihr 15-jähriges Bestehen, als sie einem 18 Jahre alten Nachwuchs-Künstler die Chance gab, eines seiner Bilder zu veröffentlichen: in der WILD UND HUND vom 3. September 1909 erschien die Zeichnung „Märzerpel“ von Gerhard Löbenberg (Seite 641, Abb. 2.1.1). Für den späteren Maler das erste abgedruckte Werk überhaupt. Hunderte in WILD UND HUND reproduzierte Zeichnungen und Gemälde folgten ihr in den kommenden Jahrzehnten.

Jetzt bietet das Ostpreußische Landesmuseum einen umfangreichen Rückblick auf die Malerei und das Leben Löbenbergs.






Erste Stationen

1909, als er bei der Schriftleitung von WILD UND HUND seine ersten Zeichnungen vorlegte, war Löbenberg Abiturient und Schüler bei dem Jagdmaler Carl Zimmermann. Aber nicht Zimmermann weckte in Löbenberg die Faszination für die Natur und die Jagd, sondern seine Kindheit und Jugend als Sohn des königlich-preußischen Försters und Hegemeisters Louis Heinrich Adolf Löbenberg und dessen Frau Emma. Das Forsthaus Gemkenthal im Harz und das Revier seines Vaters waren sein Zuhause.

Im Ersten Weltkrieg war er im Feld als Kriegsberichterstatter und Illustrator für die „Leipziger Illustrierte“ tätig. Im Fronteinsaz wurde er verwundet und ausgezeichnet. Nach dem Krieg verdingte er sich als Portraitmaler, die Jagdmalerei musste fürs erste Hobby bleiben. Dafür reichte das Geld aus der Portrait-Malerei aber immerhin für die Pacht des ersten Jagdreviers.

Zehn Jahre nach seinem ersten Besuch bei WILD UND HUND erhielt Löbenberg 1919 von Oberförster Ferdinand Wallmann seine erste Einladung in die Rominter Heide in Ostpreußen. Die Freundschaft der beiden Männer dauerte bis zum Tod Wallmanns 1936. Der Auftakt zu ereignisreichen Jahren, privat wie beruflich: 1918 hatte Löbenberg seine erste Frau geheiratet, 1920 kam die gemeinsame Tochter zur Welt.

Beruflich konzentrierte er sich mehr und mehr auf die Jagdmalerei, viele Studienreisen führten ihn nach Ungarn, Rumänien und in die Slowakei. Bald hatte Löbenberg den Ruf „$(fett:der)$ Jagdmaler“ für die Karpaten zu sein. Vor allem die Rothirsche und Braunbären hatten es ihm angetan. Trotzdem zwang ihn die wirtschaftliche Not dazu, Vereinsräume für einen Kegelklub auszumalen oder eine Arztrechnung mit einem Hirschgemälde zu bezahlen.






Jagdkunst und "Hofmaler"

Doch 1933 wurde für Löbenberg alles besser: Mit 42 Jahren zog er mit seiner Familie nach Berlin um, und der Maler stellte seine Kunst in den Dienst der neuen Machthaber. So fertigte er 1938 ein gefälliges Portrait von Hermann Göring in seiner Funktion als Reichsjägermeister. Göring soll von dieser idealisierten Darstellung begeistert gewesen sein und hatte für Löbenberg weitere Aufträge.

Denn die Rominter Heide wurde Staatsjagdrevier und Walter Frevert als Oberforstmeister zum Leiter des Reviers bestellt. Und so arbeitete Löbenberg fortan quasi als jagdlicher „Hofmaler“ Görings und war häufig Gast in Rominten.

Und das hieß Rothirsche und nochmals Rothirsche. Löbenberg malte den Großteil der Rominter Kapitalhirsche, meist nach den Trophäen oder nur diese. Immer aber in ihrem natürliche Lebensraum. Dafür wurden die gestreckten Tiere mitunter an hölzernen Stützen angebracht, um sie in einer natürlichen Haltung wiedergeben zu können.

Außerdem wurde Löbenberg Referent für Jagdkunst und Ausstellungswesen im Reichsjagdamt. In dieser Funktion erhielt er bereits im Frühjahr 1936 die Leitung über den Aufbau der Internationalen Jagdausstellung im Herbst 1937 in Berlin: 22 Länder stellten rund 12.000 Jagdtrophäen vor. Außerdem wurde ein Überblick über die Jagdkultur in den beteiligten Ländern präsentiert. Als Dank für sein Engagement wurde Löbenberg am 30. Januar 1938 der Titel „Professor“ ehrenhalber verliehen.

Im gleichen Jahr erhielt er den Auftrag, Portrait-Studien von Rehwild anzufertigen. Denn wie kein anderer Jagdmaler seiner Zeit hatte er den Ruf, die individuelle Physiognomie von Wildtieren mit dem Pinsel einfangen zu können.






Kriegsende und Neuanfang

Die Jahre 1945 bis 1949 waren wie für die meisten Deutschen von Flucht und Armut geprägt. Doch alte Weggefährten halfen Löbenberg weiter. So konnte er 1949 vom Harz in die französische Besatzungszone umsiedeln. Dort stellte man ihm ein Forstamt, Neupfalz bei Stromberg, zur Verfügung: Dort konnte er jagen und malen soviel er wollte.

Und nun waren es nach den Rothirschen in den Karpaten und in Rominten die Rothirsche des Hunsrück, deren Darstellung er sich widmete. Es entstanden Hunderte von Zeichnungen, Gemälden und Radierungen. Als Löbenberg am 19. August 1967 starb, umfasste sein Oeuvre rund 2.000 Werke.

Alleinerbin der Werke war seine zweite Frau, Ruth Löbenberg (1910-1990), die er 1959 heiratete. Sie bemühte sich vergeblich, die Bilder in Form einer Stiftung der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. So vererbte sie den Nachlass in Privathand in Neuhaus im Solling.






Die Ausstellung

Jetzt sind im Ostpreußischen Landesmuseum in Lüneburg 105 Ölgemälde und 35 graphische Arbeiten von Gerhard Löbenberg zusehen. Dabei gliedert sich die Ausstellung in die Bereiche: Landschaften und Bauwerke, Rotwild, Elch- und Rehwild, übriges Haarwild (ohne Raubwild), Haarraubwild, Federwild, weitere Motive und Portraits.

Anschrift: Ostpreußisches Landesmuseum, Ritterstraße 10, 21335 Lüneburg
Öffnungszeiten: Täglich (außer Montag) von 10 bis 17 Uhr.
Eintrittspreis: Erwachsene 3,- Euro, ermäßigt 2,- Euro
Info: Telefon: 04131 75995 – 0
Internet: www.ostpreussisches-landesmuseum.de

Das Buch zur Ausstellung
Auf der Basis der Ausstellung entstand das gleichnamige Buch: „Natur und Jagd in der Malerei von Gerhard Löbenberg“ (ISBN 3-7888-0901-0).

Das Buch im Format 21 mal 20 cm gibt auf 168 Seiten einen Überblick über Leben und Werk des Malers. Wie ein klassischer Ausstellungskatalog aufgebaut, folgt das Abbildungsverzeichnis auf die Biographie und ein Kapitel über den Künstler. 174 meist farbige Abbildungen geben einen Einblick in das Werk des Malers. Mit rund 130 Seiten umfassen die hervorragenden Farbdrucke den Großteil des Buches.

Bis zum 31. Dezember 2004 ist es zum Subskriptionspreis von 19,95 Euro zu haben. Ab 1. Januar 2005 beträgt der Ladenpreis 29,95 Euro.

Veröffentlicht im Sommer 2004 auf http://www.wild-und-hund.de/