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 WISS. AUFSÄTZE
Monrepos
Schloß Monrepos

Schloß Monrepos

Erschienen in: Gärten und Parks in Stuttgart, Hrsg. Elisabeth Szymczyk-Eggert, Hans Luz, Karlheinz Rücker, Stuttgart, 1993.


 
 

Lage: nördlich von Schloß Ludwigsburg, Autobahnausfahrt Ludwigsburg-Nord
Öffnungszeiten (Schloß): nur währendAusstellungen und Veranstaltungen
Park: frei zuganglich


Am nordwestlichen Ende von Ludwigsburg, unweit des Lustschlößchens Favorite und der Residenz Ludwigsburg, liegt das Lustschloß Monrepos, das durch seine bezaubernde Lage am Seeufer inmitten eines Englischen Gartens zum Besuch einlädt. Von 1801 bis 1804 gestaltete König Friedrichs Architekt Nikolaus von Thouret diese Anlage, deren Gelände bereits seit dem 16. Jahrhundert von den württembergischen Herzögen geformt wurde.

Die erste Erwähnung des heutigen Monrepos-Geländes stammt aus dem Jahre 1596. Der See, damals unter dem schlichten Namen »See bei Eglosheim« bekannt, lag in natürlicher, ungeformter Wald- und Wiesenlandschaft, dem Wanderer durch tiefen Morast und ausgedehnte Schilfflächen unzugänglich. Erst ein eigens zu diesem Zweck aufgeschütteter Damm am nordwestlichen Ufer, auf dem ein Boots- und ein Seehaus einschließlich einer Fischgrube zur Hege und Aufzucht des Fischbestandes angelegt wurden, erschloß den See dem herzoglichen Fischereibetrieb.

Die Stille und Abgeschiedenheit des Ortes lockte die Gesellschaft im Umkreis des Herzogs zu vergnüglichen Kahnpartien, fernab dem reglementierten Hofleben. Jener Zeitvertreib gab dem Fischweiher den Beinamen »schön und lustig See«. Aus diesem Grund vergaß Herzog Eberhard Ludwig, als er Schloß und Stadt Ludwigsburg erbauen ließ (1704-1733), auch das Seegelände nicht: Sein Architekt Nette errichtete dort 1714 einen auf achteckigem Grundriß stehenden PavilIon als Lusthaus, der auf einer kleinen Terrasse halb in den See ragte - wohl bedenkend, daß der Reiz des Ortes auf der unmittelbaren, körperlichen Nähe des Menschen zur Wasserfläche beruhte.

Ab 1755 beschäftigte sich Herzog Carl Eugen mit Planungen, den Egloshelmer See und ein neues »Seehaus« in eine einheitliche Anlage für private Aufenthalte zu verwandeln. Er beauftragte seinen französischen Architekten Philippe de La Guêpière mit der Ausführung. Mit großem Aufwand wurde der Weiher zwischen 1755 und 1760 in ein überdimensionales rechteckiges Seebecken umgeformt mit einer Länge von etwa 580 in.

Terrassen-Tradition und neue Ideen verbindend, erstellte de La Guêpière auf einer imposanten Seeterrasse das Lustschloß, links und rechts von einem Orangenhain flankiert. Die schlichte Bezeichnung »Seehaus« der Vorgängerbauten blieb als Zeichen der Intimität bestehen. Großflächig, kaum gegliedert und durch Alleen deutlich gegeneinander abgesetzt, bildeten die Gartenteile um Schloß und See, ein Boskett im Süden und ein Parterre im Norden, streng symmetrische geometrische Gartenteile. Eine solche durch Schlichtheit und Logik bestechende Planung war in Württemberg einzigartig und gehörte selbst in Deutschland zu den wenigen ausgeführten Anlagen frühklassizistischer Gartenkunst.

Als Carl Eugens Neffe Friedrich die Regierungsgeschäfte 1797 übernahm, ließ er die vorhandenen Ludwigsburger Anlagen im neuen Zeitgeschmack des Englischen Landschaftsgartens umgestalten. Bei der Seehausanlage änderten sich Gartenkonzeption, die Außenarchitektur des Schlosses und seine Innendekoration grundlegend. Sie ist die einzige Gartenanlage König Friedrichs in der Umgebung Stuttgarts und auch die einzige Anlage seines Architekten Thouret, die ohne einschneidende Veränderungen erhalten blieb. In die Umrisse der alten, streng rechteckigen Wasserfläche fügte Thouret einen Seegarten ein. Der See mit unregelmäßig verlaufendem Ufer barg drei Inseln, die mit Wegen, Brücken und unterschiedlicher Bepflanzung ein abwechslungsreiches Bild boten.

Nicht zuletzt um die Schloßfundamente, die im Wasser lagen, vor weiterer Verwitterung zu schützen, wurde eine deutliche Senkung des Wasserspiegels vorgenommen. Die Trockenlegung des alten Seebeckens ermöglichte das Eingraben des neuen, unregelmäßigen Landschaftssees im Boden; Erdaufschüttungen ließen die Inseln und das Ufergelände entstehen.

Durch vollständigen Abbau der alten Seeterrasse erhob sich nun das ehemalige Untergeschoß des Schlosses als Erdgeschoß, dessen Fassade vorgelegte Arkaden nach außen verkleideten. Durch weitere Geländeausbauten steht das Schloß nunmehr am Ufer, links und rechts von kleinen Gartenteilen eingefaßt.

Monrepos, (franz. »Meine Ruhe«), so nannte Friedrich die Anlage nach ihrer Vollendung imjahr 1804: Die Kahnpartie auf dem See entrückte den Besucher in die eigene Welt der Seelandschaft, in Antike und Mittelalter. Eine gotische Kapelle auf der größten Insel, der Kapelleninsel, und ein antiker Amortempel auf der gegenüberliegenden Amorinsel vergegenwärtigten die vergangenen Zeitalter, die mit dem vis à vis am Ufer gelegenen Schloß als Zeugnis der Gegenwart korrespondierten. Die enge geistige Verbindung, die man in der Zeit der Aufklärung mit der klassischen Antike empfand, und die gleichzeitige Abneigung gegen das Mittelalter, das als dunkel und bedrohlich empfunden wurde, zeigte sich in den unterschiedlichen Einrichtungen der Inseln: die Kapelleninsel mit der Kapelle, von dunklem Tannenwald umgeben, die furchterregenden Szenen der Tempelherrenversammlung aus Holzfiguren in einer der Höhlen darunter sowie die Hütte eines weltabgewandten Einsiedlers symbolisierten das Mittelalter. Erst der weite Blick vom Inselfelsen über den See befreite den Besucher von seinem Schrecken und lenkte seine Aufmerksamkeit zur Nachbarinsel und zum Schloß.

Dort, auf der Amorinsel, verkörperte der Tempel das Ideal der Antike. Ihn umgab eine heitere, freundliche Vegetation; seinen Innenraum schmückten zeitgenössische Kunstwerke, die Bezüge zur Gegenwart herstellten. Viele weitere Details ergänzten diese Bilder. Das Wasser hatte für den Garten zentrale Bedeutung: es trennte und verband gleichzeitig die Inselräume, symbolisierte die zeitliche und räumliche Unendlichkeit.

Monrepos bedeutete jedoch für Friedrich auch die Möglichkeit, seine Staatsgäste in eigens nördlich des Schlosses errichteten Repräsentativbauten -1804 der Festinbau, 1808 das Theater - würdevoll zu empfangen. Sie verfielen allerdings nach dem Tod des Herrschers; nur die das Schloß flankierenden Offiziantengebäude erinnern heute noch an das einstige gesellschaftliche Leben in Monrepos. Die besonderen Merkmale von Monrepos sind auch heute noch im Garten zu entdecken, der zu den wenigen noch erhaltenen Landschaftsgärten in Südwestdeutschland zählt.

Der Spaziergang beginnt nach der Durchwanderung einer langen Parkallee (vom Schlößchen Favorite her kommend) mit dem Eintritt durch das Gartentor - ein Weg, der im 18. Jh. allein dem Herrscher vorbehalten war. Zur Linken öffnet sich alsbald das Schloß, flankiert von den Offizianten-Gebäuden, bevor die Allee an ihrem Ende im Westen in der Melerei mündet, die heute landwirtschaftlich genutzt wird (an ihrem hinteren Ende befindet sich das neue Verwaltungsgebäude des Hofkameralamtes). Rasen und Bäume umrahmen das Schloß, dem jedoch seine Gegenüber an der Zufahrtsallee, Festinbau und Theater, fehlen. Statt dessen erstreckt sich dort, noch von den alten Seitenalleen gerahmt, nun eine schlichte Rasenfläche.

Auf Spurensuche kann sich der Besucher in der hinteren der beiden Alleen begeben. Dort sind in einer Vertiefung die Fundamentreste des seit dem 19. Jahrhundert zerstörten Dianenbrunnens zu finden. Im Garten selbst ist die Anordnung der ehemaligen Vegetation noch deutlich zu erkennen, ebenso die verschliffene Böschung des rechteckigen Geländegrundrisses, der von Baumreihen markiert wird; auf der Kapelleninsel stehen vorwiegend Koniferen, auf der Amorinsel Laubgehölze. Auf beiden Inseln sind die alten Wege und Verbindungsbrücken nicht mehr erhalten.

Der See lädt den Besucher auch heute noch zu Kahnpartien ein. Während der Sommermonate können Boote gemietet werden. Leider wurde der ursprüngliche landschaftliche, den See nur mitunter unmittelbar berührende Weg zugunsten der landwirtschaftlichen Nutzung der angrenzenden Flächen zerstört: er führtjetzt direkt am Ufer entlang.

Der Besuch der Inseln, von denen nur noch die Kapelleninsel ihre Architektur trägt, ist heute aus Gründen des Naturschutzes und aus Sicherheitsgründen nicht mehr gestattet. Schon in naher Zukunft wird sich voraussichtlich vieles ändern: Eine seit 1991 im Bau befindliche Golfanlage, die auch in den westlichen Teil des Gartens reichen wird, soll mit der Rekonstruktion des historischen Englischen Gartens verbunden werden - vielleicht eine einmalige Gelegenheit, hier Gartengeschichte und moderne Nutzung in Einklang bringen zu können!


Erschienen in:
Gärten und Parks in Stuttgart, Hrsg. Elisabeth Szymczyk-Eggert, Hans Luz, Karlheinz Rücker, Stuttgart, 1993.