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Ein Amerikaner in München
Eine Dienst-Waffe
Auf Gedeih und Verderb
Heimatkunde
Auf hohen Rossen
Die Grenz-Fälle
Oh, Ney
Untergangs-Stimmung
Bisley sehen und ...
Heilig's Blechle

BISLEY SEHEN...

Bisley sehen und...

... nie wieder verlassen. Für Schützen aus der ganzen Weit ist das englische Schießsportzentrum ein Traumziel.


 
 

Kaum ein Schütze, der beim Namen Bisley nicht ins Schwärmen gerät. Bisley - eine kleine Ortschaft in der Grafschaft Surrey in Südengland - gebührt nur ein Titel: "Mekka des Schießsports".

Auf einem riesigen Landstück erstreckt sich ein weitläufiges Clubdorf mit rund 30 Gebäuden und das größte Schieß-Areal der Welt. Hausherr ist die National Rifle Association, der nationale Schützenverein Großbritanniens. Als die NRA 1859 von einer Gruppe Volunteers um den Herzog von Cambridge und Lord Elcho gegründet wurde, ging es in erster Linie um die Förderung der britischen Freiwilligen-Bewegung. Daß damit der wichtigste und prominenteste Treffpunkt für Sportschützen geschaffen würde ahnte freilich niemand.

Wie damals werden auch heute noch Wettkämpfe mit Dienstgewehren unter feldmäßigen Bedingungen abgehalten. Aber längst haben die sportlichen Disziplinen den Vorrang. Ihr Spektrum reicht vom Vorderlader schießen über Skeet und Trap, Field-Target-Schießen mit Luftgewehren bis hin zur Freien Pistole, dem klassischen 300-Meter-UIT-Gewehr und die auf 900 bis 1200 Yards geschossenen Match-Rifle-Wettkämpfe auf der Stickledown Range.

Der entscheidende Anstoß zur Entstehung der NRA ging von zwei militärischen Ereignissen aus: Nach Waterloo setzte für Großbritannien 1815 eine lange Ruhephase ein. In Ausrüstung und Taktik verharrten die Militärs auf dem Stand der Napoleonischen Kriege, überdies befand sich ein Großteil der Armee im Kolonialdienst in Indien. Aus dieser Lethargie erwachte das Empire erst 1852, als in Frankreich das Zweite Kaiserreich ausgerufen wurde. Nationalstolz und Vormachtsansprüche ließen den neuen Kaiser Napoleon III. mit dem Säbel rasseln. Und die französische Presse beschuldigte die Briten, Komplotte gegen La Belle France zu schmieden.

Gleichzeitig entlarvten der Krimkrieg (1853-56) und das versagen des dort eingesetzten britischen Expeditionskorps deutlich die Mängel der britischen Heeresstruktur und die unzureichenden Fähigkeiten der Truppenführer. Schließlich musste nicht nur der Kriegsminister seinen Hut nehmen, die hohen Verluste und das Elend des britischen Kontingents führten auch zum Rücktritt der Regierung Lord Aberdeens im Februar 1855.

In England mehrten sich die Befürchtungen, daß es über kurz oder lang zu einem neuen napoleonischen Krieg mit Frankreich, vielleicht gar zu einer Invasion kommen könnte. Die Armee des Nachbarn auf der anderen Seite des Kanals galt als die modernste und bestgerüstete der Welt bei der sich selbst englisch und amerikanische Offizier Anregungen und technisch Informationen holten.

Britanniens nationale Presse rief daher laut nach der Bildung von Freiwilligen- und Milizverbänden. Die Verteidigung des Reiches sollte nicht mehr der kleinen – und erwiesenermaßen – unfähigen Berufsarmee überlassen werden, sondern galt nun als patriotische Pflicht. Besonders das mit der Industrialisierung erstarkte Bürgertum griff die Idee begeistert auf, die der Dichter Lord Alfred Tennyson mit den Zeilen umschrieb: Bereit, seid bereit gegen den Sturm - Schützen, Schützen, Schützen formiert Euch!"

Nach anfänglichen Bedenken, die neuen Volunteers könnten die Moral der Streitkräfte mindern, beugte sich die Regierung schließlich und beauftragte 1859 die Militärverwalter in den Regierungsbezirken, die Rekrutierung für das "Volunteer Rifle Corps" voranzutreiben. Der Zulauf war so überwältigend, daß sich in nur zwei Jahren über 200.000 Männer meldeten. Noch im gleichen Jahr bildeten sich zwei einflußreiche Volunteer-Gruppen aus der englischen Oberschicht: Der erste Milizverband, die "London Rifle Brigade“, stammte noch aus der Zeit der Napoleonischen Kriege. Zu seinen Mitgliedern zählte Lord Elcho, der Regierende Bürgermeister von London, und einflußreiche Geschäftsleute der Metropole. Die zweite Gruppe, das "Hythe Committee", setzte sich aus einer Reihe Freiwilligen-Offiziere zusammen, die alle die Heeres-Schießschule in Hythe besucht hatten. Zu ihren prominentesten Mitgliedern gehörte Lord Spencer (Ur-Ur-Großvater von Diana, Ex-Princess of Wales) und Mr. Edmund Warre, der spätere Direktor von Eton.

Auf Vorschlag von Lord Spencer trafen sich die Führungsleute beider Gruppen am 20. Oktober 1859 und beschlossen die Gründung einer na tionalen Vereinigung, um "die Volunteer-Bewegung voranzutreiben und das Gewehrschießen in ganz Großbritannien zu fördern" - die NRA.

Speziell für die Volunteers ausgerichtete Wettkämpfe (die genauso Interessierten aus der Berufsarmee offenstanden) sollten dem Schützenwesen auch nach dem zu erwartenden Abflauen der ersten Begeisterungswelle Antrieb verleihen. Außerdem konnte damit gleichzeitig die technische Entwicklung der Langwaffen gefördert werden, denn hier lag Großbritannien weit hinter Ländern wie Frankreich und Preußen zurück, wo es bereits seit 1849 das Dreyse-Zündnadelgewehr gab.

Aber bei allem Engagement für die nationale Sache verstand sich die NRA immer als rein zivile Fördergruppe der Freiwilligen und des Schützenwesens. Mit der Politik, Organisation, Ausrüstung und den internen Angelegenheiten des Volunteer Corps beschäftigte sie sich nicht. Bald nach ihrer Gründung veröffentlichte die "Times" das Programm der NRA. Lord Elcho kündigte unter anderem in einem offenen Brief jährliche Treffen für Gewehrschützen an. Sie sollten an wechselnden Orten des Königreichs abgehalten werden, das erste ganz in der Nähe von London.

Die Volunteers betrachteten sich als Erben der Milizsoldaten des Mittelalters, für die das regelmäßige Üben mit dem Langbogen unverzichtbar war. Lord Elcho schrieb: „Das Bogenschießen war früher ein nationales Freizeitvergnügen, das die Stärke und Sicherheit der Nation begründete. Was der Bogen in früherer Zeit war, sollte das Gewehr heute für uns sein."



Wo jetzt der Tennisball regiert, schoß einst die Queen haarscharf ins Ziel.



Als nun die NRA ein Abzeichen suchte, wählte sie dafür einen Bogenschützen aus der Zeit von 1300-1500 und einen Freiwilligen von 1860. Das NRA-Motto "Sit Perpetuum" (Es sei für ewig) betont, wie wichtig eine gut ausgebildete Bürgerschaft war, die ohne zu zögern das Königreich erfolgreich verteidigen konnte.

Schon im Juli 1860 fand der erste NRA-Wettkampf statt: Als Austragungsort diente der Wirnbledon Common, ein sehr großes Gras- und Weideareal, das damals zum Besitz von Lord Spencer gehörte. Lord Elcho stiftete einen Pokal (engl. Cup), und die Queen ließ es sich nicht nehmen, persönlich die Veranstaltung zu eröffnen: Am 2. Juli fuhr sie nach dem Lunch von Schloß Windsor nach Wimbledon, wo der Premierminister und andere Honoratioren die Königin erwarteten. Alles war schon vorbereitet, Queen Victoria brauchte nur noch an einem Seidenband zu ziehen, das am Abzug des Whitworth-Gewehrs befestigt war - und die Kugel schlug etwa zweieinhalb Zentimeter neben der Zielmitte ein. Um die Bedeutung der NRA herauszustellen, bestimmte sie, daß der wichtigste Preis ihren Namen tragen sollte. Und zusätzlich zur NRA-Goldmedaille und zum goldenen Abzeichen stiftete sie für den Sieger 250 Pfund - damals genug Geld zum Kauf eines Hauses. Der "Queen's Prize" führt seitdem die Beliebtheitsskala bei den Schützen unangefochten an, und das Treffen im Juli genießt mehr denn je internationalen Ruf.

Die begehrte Trophäe holte sich als erster der 18jährige Private Edward Ross vom 7. North Yorkshire Volunteer Rifle Corps, später einer der gefeiertsten Scharfschützen seiner Zeit. Der Wettkampf bestand 1860 nur aus zwei Teilen: Im ersten Durchlauf traten Freiwillige mit der "Volunteer issue rifle", dem Enfield .577 Dienstgewehr Pattern 1853 auf 600 yards an. Der zweite Wettkampf auf 1000 yards, den Prinzgemahl Albert stiftete, stand für alle Interessierten und Gewehroder Kaliberarten offen. Hier dominierte das Whitworth-Laufsystem, und das noch die nächsten fünf Jahre. Ein dritter Cup stand unter der Schirmherrschaft des Herzogs von Cambridge, einem Cousin ersten Grades der Queen und traditionell der Oberkommandierende der Armee. Dieser Wettbewerb galt gezielt der technischen Weiterentwicklung der Waffen. So gerieten die Wimbledon-Schießen zur Teststrecke der Waffenbeschaffer.

Ganz im Zeichen der Zeit nahm die Öffentlichkeit regen Anteil an der Veranstaltung, rund 20 000 Zuschauer besuchten 1860 die Preisverleihung. Der Erfolg war so überwältigend und der Standort Wimbledon so günstig zu London gelegen, daß die NRA sofort entschied, dort ihren ständigen Sitz einzurichten.


Als es die NRA den Nachbarn zu bunt trieb, quartierte sie sich auf dem Lande ein.In den folgenden Jahren entwickelten sich die zwei Wochen im Juli zum gesellschaftlichen Höhepunkt. Wer in London Rang und Namen haben wollte, der fuhr im Sommer nach Wimbledon, um den Schützen zuzusehen. Und auch deren Zahl stieg von Saison zu Saison an, waren es 1860 noch 299 Teilnehmer, schrieben sich drei Jahre später schon mehr als 1000 für die Wettkämpfe ein. Über die Jahre kamen weitere Turniere hinzu, Mitte der 1860er Jahre bestanden bereits die Grundlagen für die meisten der heutigen Disziplinen: So gründete Baron Ashburton 1861 einen Schulpreis, und beim Rektorenwettkampf traten die Leiter der Universitäten von Oxford und Cambridge gegeneinander an. Damals fand auch der erste "interna

Doch Ende der Achtziger schien es, als drohe das Aus: 1887 betrug die Zahl der Teilnehmer immerhin 2477. Zudem wuchs der Stadtteil Wimbledons immer näher an das NRAAreal heran. Gleichzeitig verfügten die Waffen über eine immer höhere Reichweite - der Schuß in Nachbars Garten schien da nicht mehr fern zu sein. Die Anwohner wehrten sich daher mit immer mehr Druck gegen die Schützen- und Besucherscharen, die alljährlich ihre Gemeinde vereinnahmten. Aus diesem Konflikt ergaben sich die skurrilsten Konstellationen: Sir Henry Peek etwa, Parlamentsmitglied für Wimbledon, einer der ersten NRAFörderer und Stifter des Peek-Preises, setzte sich als Sprecher der Anwohner aktiv für < die Verlegung der NRA ein. Zwar mußte er seinen Preis zurückziehen, aber der NRAVorstand - zur stillen Freude seiner Mitglieder - ließ ihn wieder auferstehen: Jetzt hieß er "Olympic"-Preis, was Scherzbolde als Wortspiel von Olim (lateinisch für früher) und Peek interpretierten. Den Ausschlag für den Umzug gab schließlich der Herzog von Cambridge. Als direkter Nachbar von Lord Spencer bedrohten die Querschläger von Wimbledon seine Besitzungen am stärksten. Nun machte sich die NRA auf die Suche nach einem neuen Schießplatz, und nach einigem Hin und Her entschied man sich 1889 für Bisley.

Zwar lag der Ort weiter von London entfernt, aber er be saß wichtige Vorteile gegenüber anderen Standorten: In nächster Nähe befand sich in Aldershot das 1884 gegründete „Guards Musketry Camp“, die größte Ausbildungs- und Heeresbasis in England, mit der sich eine enge Zusammenarbeit ergab. Und der Nachbarort Brookwood besaß eine Bahnstation auf der Route London Southampton.



Mit der Bahn ging's für die Schützen ob nach Sibirien - aber Rückfahrt inklusive.Nach umfangreichem Landkauf begann die NRA mit dem Bau des Camps. Die London & Südwest-Eisenbahngesellschaft ließ sich nur zu gern über anderen möglichen überreden, von Brookwood nach Bisley Gleise zu verlegen, und sponserte den Bau der Schießanlage mit 1.000 Pfund. Ab 1890 fuhr regelmäßig ein Zug nach Bisley, treffenderweise "Bisley Bullet" (Bisley-Kugel) genannt. Erst 1952 wurden seine Dienste eingestellt.

Die meisten der in den Jahren 1890/91 angelegten Schießstände befinden sich noch an den gleichen Plätzen, die fünf bekanntesten sind "Stickledown", "Shorts", "Century", "Long Siberia" und "Short Siberia". Natürlich erhielten sie immer wieder Modernisierungen und Erweiterungen: So wurde Stickledown 1903 von 24 auf 50 Ziele erweitert, die Distanz 19 10 von 1100 auf 1200 yards verlängert. Zu den etwas weiter entfernten "Sibirischen Ständen" mußten die Schützen mit der Straßenbahn fahren - der Name der Plätze ist eine Anspielung darauf, daß Rußland schon damals seine Dissidenten gut aufzuheben wußte.

In Wimbledon hatte die NRA dreißig Jahre lang für jede Saison Holz- und Zeltgebäude errichten und wieder abbauen lassen, oder Offizielle und Teilnehmer mieteten sich in Londoner Hotels und Privatunterkünften ein. Im abgelegenen Bisley wurden nun feste Unterkünfte gebraucht. Weil die Zeit drängte, wählte die NRA vorgefertigte Bausätze von US-Firmen wie der Wire Wove Building Company oder Ducker Company in Chicago, die Fertigteile aus Holz und Wellblech für Australien, Indien, Afrika und den Westen der USA herstellten. So entstanden die typischen Bisley-Gebäude im Kolonialstil: einstöckige Häuser mit Wellblechdach, Veranda - inklusive Monsun-Graben. Viele Vereine nutzten die Möglichkeit, eigene Club-Häuser zu errichten, um eine ständige Niederlassung vor Ort zu besitzen. Als berühmtestes Bauwerk und Symbol für Bisley gilt aber der Glockenturm, der wie manches andere Gebäude von Wimbledon ins neue Camp versetzt wurde.

Die Notwendigkeit einer Erweiterung der NRA bestätigte auch die Niederlage, die Großbritannien im Burenaufstand 1880/81 bei Majuba Hill erlitten hatte. Noch 1892 vermachte ein Londoner Klavierstimmer namens Stevens sein Vermögen der NRA, damit "die Engländer lernen zu schießen und ein solches Desaster nie wieder vorkommt".



Keine Chance ohne NRA – die britische Armee bekam Nachhilfe in Bisley.



Wichtigste Konsequenz aus den Kriegserfahrungen stellten die Gründungen von Schützenvereinen dar. Bis 1907 stieg die Zahl der Vereine für KK-Gewehre so schnell, daß sich die Bewegung von der NRA abspaltete. Die "Gesellschaft für Kleinkaliber-Gewehre" bestand bis 1946, dann nannte sie sich "National Small Bore Rifle Association" (NSRA). Sie übernahm die Grundsätze der NRA und hat ihren Sitz ebenfalls in Bisley.

Bei den Rückzugsgefechten in Belgien bewiesen sich 1914 die Schießkünste der "British Expeditionary Force". Doch Flandern geriet zum Massengrab der kleinen englischen Berufsarmee, Reserven fehlten. Lord Kitchener bildete deshalb Ende 1914 die „New Armies“. In drei großen Wellen von je rund 100.000 Mann wurden dafür Freiwillige rekrutiert, bei denen es jedoch an Ausrüstung und Ausbildung mangelte. Da sprang die NRA als Retter in der Not ein: Sie errichtete nicht nur Training-Camps in Bisley, sondern stellte auch geübte NRA-Schützen als Ausbilder für die New Armies ab. Da die jungen NRA-Mitglieder im wehrfähigen Alter lieber selber der Armee beitraten, wurden die Älteren oder Wehruntauglichen dafür eingesetzt. Ihre Feuerprobe erlebten die New Armies 1916 an der Somme. Gegen Ende des Ersten Weltkrieges hatten 15.000 NRA-Ausbilder mindestens eine Million Männer der "New Armies" und 500.000 des normalen Heeres trainiert.

Ab 1915 nutzte die Armee das NRA-Camp auch als Versuchsanlage für neue Waffen, wie etwa die leichten Maschinengewehre von Hotchkiss, Lewis und Vickers. Auch Trainingskurse für Maschinengewehr-Ausbilder liefen in Bisley bis Kriegsende. Die schwere Unterabteilung des Maschinengewehr-Korps, aus dem sich dann das Royal Tank Corps entwickelte, entstand ebenfalls in Bisley. Um die vielen Soldaten unterzubringen, die an den Kursen teilnahmen, baute die Armee über 40 Standard-Militärbaracken, von denen viele noch heute erhalten sind.

Nach vier Jahren Pause konnte die NRA ab 1919 in Bisley die Jahreswettbewerbe wieder aufnehmen, an denen sich jetzt auch die Commonwealth-Länder mit großem Interesse beteiligten. Viele Neubauten entstanden, denn immer mehr Vereine wollten ihr eigenes Club-Haus besitzen. Nun standen auch größere Renovierungen an, so mußte der "Pavilion", das noch aus Wimbledon-Tagen stammende Lazarett, 1923 ersetzt werden, weil Militärärzte die mangelhaften Hygieneverhältnisse kritisierten. Auf gesellschaftlicher Ebene hob man in den modernen Dreißigern endlich die aus der viktorianischen Keuschheit geborene Regel auf, daß Damen erst ab 11 Uhr vormittags Zutritt zum Camp hatten - einst befürchtete man, daß sonst einige Herren nackt in der Badewanne vor ihren Zelten gesichtet werden könnten.

Der Kriegsausbruch 1939 beendete das schöne Clubleben wiederum, und die NRA kehrte zu ihrer Rolle von 1914 zurück: 1941 wurde die Scharfschützen-Abteilung verlegt und eine Flak-Trainingsabteilung bis Kaliber 20 mm zog ein. 1944 kehrte das Sniper Training Wing wieder nach Bisley zurück. Nach dem katastrophalen Rückzug von Dünkirchen 1940 wurde die Hythe School of Musketry in "Small Arms School" umbenannt und nach Bisley verlegt, wo sie bis 1946 blieb. Die NRA übernahm die Schießausbildung der Home Guard (Heimwehr), einer Miliztruppe von Freiwilligen, die zu alt oder untauglich für die Armee waren. Genau wie die New Armies von 1914 hatten diese Männer kaum Ausrüstung und wenige fähige Ausbilder.

Als 1946 die Jahrestreffen wieder aufgenommen wurden, blieb die NRA trotz allen Veränderungen in Europa ihren Grundsätzen treu: Obwohl man sich vielerorts auf das UIT und 300 Meter konzentriert, liegt in Bisley der Schwerpunkt auf dem Long-Range-Schießen, Vielleicht ist es a gerade diese Tradition, die Schützen nach Bisley lockt. Auch der BDMP kaufte eines der alten Schützenhäuser. Und als der Queen's Prize 1995 zum ersten Mal für alle Nationen offen war, landete Angelika Uhlig als erste Teilnehmerin, die nicht für die Krone startete, unter den ersten 100 ... manchmal werden Träume wahr.


 

Von Birgit Hlawatsch und Jim Hooper

Erschienen in:

VISIER, 11/1996, Seite 154 bis 159